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| |  | DER RITUS |  | | | | Übersicht / Geschichten | | | | |
| Inhalt | Mein Vater beobachtet mich aufmerksam. Er will nicht daß ich Angst habe. Und ich bemühe mich meine Angst nicht zu zeigen. Aber ich weigere mich oft mit ihm oder mit meiner Mutter in den Wald zu gehen.
Eines Tages ruft mich der Vater zu sich. Schon als ich zu seinem Haus gehe habe ich Angst.
"Jetzt bist du bald neun Jahre alt" sagt er und noch immer benimmst du dich wie ein Kind. Du mußt aber lernen zu sein wie ein Mann! Du mußt lernen zu arbeiten mit den Dorfältesten zu sprechen anderen Dörfern einen Besuch abzustatten und vieles dergleichen. Auch habe ich schon an deine zukünftige Braut gedacht. In ein paar Wochen werde ich ihren Eltern die Sicherungsgabe bringen damit sie das Mädchen für dich vorsehen.
Er erwartet daß ich ihm danke und ich danke ihm. Dann spricht er weiter: "Nun sende ich dich in eine Schule die für Jungen deines Alters bestimmt ist. Aus dieser Schule kommst du als reifer und kluger Mann zu deinem Vater zurück. Und ich werde stolz auf dich sein. Danach wirst du in einer anderen Schule auch lesen und schreiben lernen. Aber zuvor mußt du in diese Schule gehen! Morgen wirst du vorn ältesten Sohn des Dorfhäuptlings abgeholt. Du wirst gemeinsam mit den anderen Jungen deines Alters an einen schönen Ort geführt werden. Erwachsene werden mit euch gehen und euch alles erklären. Sie werden euch alles geben was ihr braucht."
Noch einmal danke ich meinem Vater. Ich beginne schon mich auf diese Schule zu freuen. Mit dieser Vorfreude schlafe ich ein.
Als ich erwache ist Lärm vor unserem Haus und vor den Nachbarhäusern. Das ganze Dorf scheint auf den Beinen zu sein. Ich treffe die anderen Jungen auf dem Versammlungsplatz. Die Erwachsenen die mit uns gehen geben uns Säcke zu tragen wahrscheinlich enthalten sie Proviant.
Wohin gehen wir überhaupt? Wo ist diese Schule? Wie lange werden wir dort bleiben? Das alles hat mein Vater nicht gesagt. Die anderen Jungen wissen es auch nicht. Und die Erwachsenen antworten nicht auf unsere Fragen. Schweigend gehen wir durch den Wald. Am Nachmittag erreichen wir eine Lichtung. Hier bin ich noch nie gewesen. Neben einer großen Hütte stehen drei kleinere. Die große Hütte ist für uns Jungen. Sie ist leer nur ein paar Strohmatten liegen auf dem Boden.
"Es wird noch heute geschehen!" sagt ein alter Mann aus unserem Dorf. Er spricht streng. "Was denn?" fragt einer von uns.
"Du hast hier keine Fragen zu stellen du halbes Mädchen! Warte bis ich dich zu einem richtigen Mann gemacht habe! Ich werde dir das wegschneiden was dich schwach und weibisch macht. Danach bist du ein Mann!" Auf einmal wird uns klar in welcher "Schule" wir uns befinden. Plötzlich hasse ich meinen Vater weil er mir etwas vorgelogen hat. Wir alle haben Angst. Einige von uns weinen sogar.
Flüsternd beraten wird ob wir davonlaufen sollen. Aber wir sind weit weg von unserem Dorf und wir kennen den Weg nicht.
Und dann merken wir daß wir in unserer Hütte eingeschlossen sind. Von draußen hören wir nun lautes Trommeln.
Die Männer singen wir hören auch Tanzschritte.
Wir warten.
Dann wird die Türe geöffnet. Die Männer holen Pierre den jüngsten Sohn des Dorfhäuptlings. Bald darauf hören wir ihn mit aller Kraft schreien dann nur noch schluchzen. Wieder geht die Türe auf. Diesmal bin ich an der Reihe. Ich sehe die Männer in der Mitte der Waldlichtung stehen. Einer der Älteste trägt eine Tiermaske mit langem Schädel. Zwei andere packen mich.
"Die Hose herunter!" höre ich den alten Mann mit der Maske herrisch rufen. Und schon ist die Beschneidung geschehen.
Auch ich habe geschrien und auch ich weine als sie mich wegführen. Sie bringen mich zu einem großen Feuer. Dort steht auch der jüngste Sohn des Dorfhäuptlings. Ein Junge nach dem anderen wird zum Feuer geführt. Als alle beschnitten sind kommt der Älteste zu uns.
"Ich habe euch zu Männern gemacht!" sagt er. "Wir bleiben sechs Wochen im Wald. Das ist die Schulzeit. Ihr werdet hier alles lernen was wichtig ist."
(Was wir gelernt haben? Musik und Rhythmus. Verschiedene Handwerksarbeiten vor allem Flechten und Schnitzen. Die Erwachsenen erzählten uns wie Kinder gezeugt und geboren werden. Sie nannten uns die Aufgaben des Mannes im Leben. Sie lehrten uns mutig zu sein.)
Jetzt kommt die letzte Zeremonie: Wir müssen Schweigen geloben über das was uns erzählt wurde.
"Ihr dürft niemals zu Unbeschnittenen oder zu Frauen darüber sprechen! Furchtbares wird geschehen wenn ihr es erzählt - ihr werdet eine Hand verlieren oder die abgeschnittene Haut wächst wieder an! Dann verliert ihr die Würde des Mannes und werdet wie Frauen. Vergeßt nicht daß ihr euch von nun an immer wie Männer verhalten müßt! Im Denken im Bewußtsein bei der Arbeit! Beschützt eure Frauen Kinder und Schwestern!"
Jetzt ist alles vorbei. Und ich denke: "Nun bin ich ein Mann."
Wir kehren ins Dorf zurück und werden festlich empfangen. Wir sind alle sehr stolz. | | | | Quelle | | Netburger | | | | Stichworte | | Afrika, Rituale, Erwachsen-Werden | | | | Eingetragen am 29.12.2002 | | | | Bewertungen | | Leider noch keine Bewertungen | | | | | Kommentare zu diesem Material | | Leider noch keine Kommentare |
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